Meine ersten Supermarkterinnerungen liegen Jahre zurück. Es war die Zeit, als an der Obst- und Gemüsetheke eine mehr opder weniger freundliche Dame stand, die die Früchte in Papiertüten füllte, sie abwog und den Preis auf die Tüte schrieb. Wollte man Leergut zurückgeben, musste man an dem unfreundlich wirkenden Tor neben der Frischetheke klingeln und einige Zeit warten, bis sich ein Auszubildender und oder Student seiner leeren Flaschen annahm.
Bildausschnitt: FaceMePLS/Flickr)
Heute wird man, nachdem man lange an der Kasse stand, zusammengeschissen, weil man sein Obst nicht abgewogen hat. Das ist doch nicht so schwer. Ja, vor allem, wenn die orange Paprika auf der symbolreichen Waage nicht zu finden ist. Das sind die Discounter mit ihrem in Plastik verpackten Biowaren natürlich praktischer.
Wirklich schlimm sind aber die Pfandrückgabeautomaten. Wenn sie funktionieren, dann sporadisch. Ist man endlich an der Reihe, um sein Sammelsurium aus Sahneflaschen, Joghurtgläsern und Plastikflaschen im Schlund dieser Ungetümer unterzubringen, sind viel Geduld und eine verstopfte Nase notwendig.
Plastikflaschen werden nach dem ersten Versuch grundsätzlich wieder ausgespuckt. Die Fehlermeldungen sind dabei sehr kreativ. Entweder ist das Gebinde zerrissen, oder die Flasche ist defekt, oder – sehr allgmein und endgültig – die Flasche gehört nicht zum Sortiment. Das scheint sich zur Strategie entwickelt zu haben, denn inzwischen steht neben jedem dieser Maschinen ein großer Abfalleimer, in dem man das nicht angenommene Leergut hinterlassen kann.
Man verbringt einige Zeit vor den Geräten, die nicht nur nicht alles annhemen, sondern auch bestialisch stinken und fürchterlich kleben. 17 verschiedene Biersorten, Säfte, Michprodukte und braune Brausen – der üble Geruch lässt einen zwei große Schritte zurücktreten. Mit dem langem Arm versucht man das Loch zu treffen, um ja nicht mit der unmittelbaren, vollgesabberten Umgebung in Berührung zu kommen.
Hinterher habe ich immer das dringende Bedürfnis, mir die Hände zu waschen.
Diese Auomaten sind eine eine Erniedrigung und Symbol einer Servicewüste, für die man als Dank den Liter H-Milch für 39 Cent bekommt.
Als ich letztens beim Warten in der Rückgabeschlange gesehen habe, wie eine Angestellte mit ihren Straßenschuhen auf das Kühlregal gestiegen ist, um Gnocchi einzuräumen, habe ich beschlossen, den Pfandbon umgehend an der Kasse gegen Bargeld einzulösen. Dafür habe ich weitere zehn Minuten gewartet.
Fremdneurosen